Autonomie den Entwicklern

Im Studium beginnt es bereits, das Doktrinat der Oberschicht – naja gut, vielleicht übertreibe ich etwas, aber dennoch ist es so. Wenn ich mich zurückerinnere, mit welchen IDEs welche Sprachen entwickelt wurden…Assembler wurde immer in der IDE des jeweiligen Chipherstellers entwickelt…okay, das sehe ich ein. Aber ab dem Sprachenlevel, den C einnimmt, sollte lediglich das Ergebnis von Interesse sein, dies impliziert Codequalität und Algorithmen, genauso wie die Lauffähigkeit des Codes, egal, ob es mit Emacs, Eclipse CDT oder Visual Studio (oder was auch immer) geschieht, denn jede IDE hat Vor- und Nachteile. An der Universität  haben wir Java mit Eclipse entwickelt und plötzlich wurde uns im Master ein Environment mit Netbeans vorgeschrieben und schon war die heile Java Welt dahin. Alles funktioniert anders, Shortcuts sind unterschiedlich, die Performance leidet, der Frust steigt und alles nur, weil die Oberschicht, hier des Professors Assi meint, etwas so überflüssiges vorgeben zu müssen.

Meine restlichen Ausflüchte werde ich nun einfach mal überspringen und kurzerhand in die nahe Vergangenheit meiner beruflichen Laufbahn gehen. Ich bin aktuell in einem Projekt tätig, wo Windows als OS und ortsgebundene Arbeitsplätze durch die Firmenkultur vorgegeben sind. Als IDE wird Eclipse eingesetzt. Das verwendete SCM ist SVN. Ich fühle mich unglaublich wohl mit einem Macbook, IntelliJ IDEA und Git, somit war das ganze für mich eine riesige Umstellung und häufig auch gar nicht ganz einfach.

Doch warum sollte man (die Oberschicht) das persönliche Ökosystem eines Entwicklers nicht vorgeben, beziehungsweise die Zwänge so gering halten, wie möglich? Der typische Entwickler ist ein mündiger, intelligenter (oftmals zumindest ;-)) und freiheitsliebender Mensch. Beginnen wir zuerst einmal mit dem Freiheitsgedanken, hierbei ist es das OS und die IDE, die besonders wichtig sind. Scripte, Shortcuts, Profile, Markup, etc. ändern sich mit der Betriebssystemwahl, so sinkt die Produktivität, selbst wenn man sich Mühe gibt, mit anderen Rahmenbedingungen klar zu kommen und über diese Vorgabe hinweg zu sehen.
Wer hat Schuld, wenn ein Mitarbeiter nicht mit seiner Hardware klar kommt? Hat er sie selbst ausgewählt – der Entwickler! Und wenn ihm diese vorgeschrieben wurde? Die vorschreibende Person. Und wenn es der zweite Fall ist,  wird jeder Fehler, jede Zeiteinbuße, einfach alles der falschen Hardware, IDE oder dem Betriebssystem zugeschrieben. Das mag mal ganz nett sein, aber befriedigt, keine der beiden Parteien. Bei komplexen Programmen wie IntelliJ IDEA beziehungsweise Eclipse ist es unabdingbar möglichst viele Shortcuts zu kennen, da diese häufig die Arbeitsschritte drastisch beschleunigen, man denke an das „F5“ im Browser – wer hat schon Lust das kleine Icon mit der Maus zu betätigen 😉

Und nun, warum sollten gegebenenfalls einige hundert Euro mehr für Hardware ausgegeben werden, als es notwenidg ist? Für jeden der es noch nicht gemerkt hat – die teuerste Ressource ist in unserer Branche defintiv der Entwickler und so sollte mit dieser Ressourcen auch defintiv am vorsichtigsten umgegangen werden, also mein Appell an alle Entscheidungsträger:

„Überlasst die Entscheidung nach Hardware, IDE und Betriebssystem dem Mitarbeiter, sofern dieses irgendwie möglich ist.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.