Dreamhack 2016 #DHDE16

Vom 22.01.2016 – 24.01.2016 fand in Leipzig die Dreamhack Deutschland erstmalig statt. Ich möchte kurz meine Eindrücke in Kombination mit einer nachfasslich objektiven Bewertung aus Sicht eines erfahrenen LAN-Party Gängers schreiben.

Infrastruktur

Location: Die Messe Leipzig ist aufgrund ihrer modernen Infrastruktur ideal für große LAN-Partys geeignet.  Die Internetverbindung war tadellos, Downloads mit 100mbit/s und ein Ping von <30ms bedeuteten, dass das Spielen von Onlinegames problemlos möglich war. Das LAN der Veranstaltung wurde mit 100mbit/s pro Platz aufgebaut, wobei jeder 24 Port Switch einen 1 Gigabit Uplink über Ethernet und einen über SFP als Backup hatte. Hier hätte durchaus ein wenig bessere Hardware eingesetzt werden können, gerade bei der Backbone Anbindung könnte zukünftig etwas schnelleres verwendet werden (wobei es mich in diesem Jahr wenig gestört hat). Die Procurve Switche waren aber stets zuverlässig. Ein unnötiger Punkt der Organisation war die Bereitstellung von Netzwerkkabeln, wobei natürlich so mit annehmbarer Zuverlässigkeit festgestellt werden kann, welche IP an welchem Platz sitzt…was meiner Meinung nach auf einer LAN nicht notwendig ist, hierauf gab es auch keinen Hinweis im Vorhinein.
Vor Ort gab es Duschen, die zugegeben recht weit entfernt waren, aber ein wenig Bewegung tut vielen Gamern nicht schlecht. Hier kann das Video von M4DM4STER betrachtet werden, dass den Weg zu den Duschen zeigt:

Er entführt uns hier in die Katakomben der Messe Leipzig. Die Duschen waren Samstag gegen 12:00 Uhr so sauber, dass man sich nicht unwohl gefühlt hat.
Schlechter sah es hier bei der Toilettensituation aus. Es gab fünf Kabinen und sieben Stehklos auf der einzigen Herrentoilette, die direkt an der LAN-Area angrenzte. Diese wurden zu selten gereinigt – sofern dies während der Veranstaltung  überhaupt stattgefunden hat.
Die Temperatur in der Halle war in Ordnung, manchmal zog es kalt in unseren Sitzbereich in Reihe E/F hinein, was aber zumeist gut auszuhalten war. Der Sitzplatz war sehr positiv zu bewerten, immens viel Platz zwischen den Sitzreihen brachte ungeahnte Möglichkeiten mit sich!
Essen…gab es. Aber wo ist das ganze Junkfood (Burger, Gyros, Currywurst)? Ebenfalls haben Gameserver für diverse Spiele durch den Veranstalter, sowie die Option für Gastserver gefehlt. Wenige Tage vor der Veranstaltung wurden spontan fünf privat mitgebrachte Gastserver ‚erlaubt‘.

Spiele

Die Diversität der Spiele war mittelmäßig bis gut. Selten habe ich World of Warcraft gesehen, hingegen wie üblich sehr viel Counterstrike: Global Offensive, League of Legends, Battlefield 4, Heroes of the Storm und Dirtybomb. Seltener aber dennoch vorhanden Unreal Tournament Classic, Quake 3, Age of Empires 2 und Warcraft 3 und Flatout.
Der Spielbetrieb war – meines Wissens nach – von Seiten der Internet- und Netzwerkverbindung her problemlos möglich.
Das größte Manko war die immense Lautstärke aus der Messe- und Veranstaltungs-Area nebenan, was die Benutzung von Teamspeak nahezu unmöglich und Clans das Leben bei Turnieren unnötig schwer machte.

Festival ‚Dreamhack‘

Oft genug habe ich in der DiscordApp (scheinbar dem offiziellen inoffiziellen 😉 Nachfolger vom IRC) und bei Facebook in den Bewertungen der Veranstaltung gelesen (von den Veranstaltern), dass die Dreamhack ein Festival und keine ausschließliche LAN-Party sein soll.
Also, was darf bei einem Festival nicht fehlen? Essen, Kaffee, Crepes und Pizza, zwei Bars – und ein gratis Monster Energydrink – danke dafür. Preise unverschämt (Pizza26cm für 8,50€ ) – was aber zu erwarten war. Es gab Freitag Abend eine ‚XMG Aftershow Party‘, wo sich die Getränkeauswahl auf Bier und Radler einer Lokalmarke beschränkte (ich nenne sie hier nicht), die nach Angaben von Betroffenen/Konsumenten (Zitat) „so wenig schmeckt wie Abspülwasser nach einer Großveranstaltung“. Nun gut…geschenkter Gaul und so…Es gab viele Livespiele von Semiprofi- und Profispielern, was zu jeder größeren LAN-Party dazugehört, mit sehr guter Akustik und Stimmung, guten Moderatoren und einer professionellen Organisation, nur bitte lieber Organisatoren, wenn ihr in der Halle diverse Displays an eure Aussteller weitergebt, dann gebt diesen eine Kabelverbindung und streamt das Dargestellte nicht via WLAN zu den Geräten…das funktioniert nicht im 2,4GHz Band auf einer derartigen Veranstaltung.
Total bescheiden und einfach nur störend war die Eventbühne, auf der den gesamten Freitag  (bis Samstag 02:00 Uhr) elektronische Musik in immenser Lautstärke lief und auf der (kein Witz) am Samstag um 09:00 Uhr eine „Death Metal Schrei mein Publikum zu Tode“- Band mit Namen Line Arrays – ihren Soundcheck gemacht hat, was die meisten Gemüter sehr misslich gestimmt hat. Den ganzen Tag über war es unmöglich vernünftig zu Spielen oder zu streamen – achja, es gab ca. 20 Streamerplätze (genau gegenüber der Eventbühne) – wo durchaus bekanntere Gesichter wie Scissor oder Miss Rage zu sehen waren, wobei mich diese Thematik kalt lässt da ich alt genug bin, um selbst auf LAN Partys zu gehen ;-). Aussteller wie XMG, Riot, Monster, MediaMarkt und Asus waren auf der Consumer Messe mit Ständen vertreten.
Ca. 100 Cosplayer haben ihre Kreativität bei Verkleidungen und Performance gezeigt, mit teilweise mehrjährigen Kostümentwicklungen (Dreamhack Cosplay >>).

Organisation der Veranstaltung

Wie bereits erwähnt ist die infrastrukturelle Organisation top gewesen – großes Lob!
Die Organisation im Vorfeld hingegen war mangelhaft. Doch keine negative Kritik ohne Begründung: Der Prozess der Registrierung war undurchdacht, die GUI und Aufmachung der Seite war nicht stringent und wenig durchdacht, es gab keine Suche, die FAQs waren anfänglich so gut versteckt, dass diese nur mit Hilfe der allmächtigen Suchmaschine aufgefunden werden konnte. Informationen zum Ablauf, ein Loginbereich mit Forum, anständiger Support durch den Veranstalter, sowie fehlende Flexibilität bei der Sitzplatzwahl machten die Veranstaltung bereits vor Beginn zu einem Desaster, hier MUSS sich die Dreamhack Deutschland für die #DHDE17 definitiv weiterentwickeln! Facebook ist kein Ort für Support und ein nicht vorhandenes Forum durch ein fremd-gehostetes Forum bei „forumieren“ ist keine Alternative! Banner, Popups und Links auf dieser Seite verlinken auf Seiten, die von Google als unsicher, aufgrund von Malware und Phishing eingestuft werden – Liebe Veranstalter das geht gar nicht!
Die Anreise war problemlos, ideal wäre bei der letzten Ampel ein Aufsteller, der auf den offiziellen Parkplatz der Dreamhack verweist. Dort angekommen wird man in einer großen ordentlichen Messehalle freundlich von den Mitarbeiter begrüßt, bekommt Hawaii- ähnlich eine Halskette mit einem scanbaren Code drauf umgehängt und wird gefragt, wieviel Hardware man einchecken möchte. Eine Erklärung, dass empfohlen wird, jedes teure Stück Hardware mit einem Aufkleber zu versehen wunderte mich, empfohlen wurden zwei bis fünf Aufkleber, ich wählte drei – warum? – keine Ahnung, weitere Informationen fehlten. Nichts ahnend gehen wir zu unserem Platz und freuen uns über den immensen Platz….sehr gut liebe Veranstalter! Wir trugen unsere Sachen durch den Seiteneingang rein, ein netter Sicherheitsbeauftragter lies uns nach einer freundlichen Bitte durch, was den Weg um mehrere hundert Meter pro Tour verkürzt hat, auch danke dafür. Nochmal zu den Aufklebern. Am Sonntag Nachmittag zum Ende der LAN baute sich um Seiteneingang ein Team auf, die eine Kontrolle durchführten von anfänglich jeder Tasche und jeder Kiste, was mit zunehmender Dauer immer weniger wurde. Es wurde im Vorhinein keine Informationen darüber gegeben, dass alle Aufkleber wieder mit raus genommen werden müssen, die am Anfang bestellt worden sind. Diese sind mit Code auf der Karte um meinen Hals verbunden und erst wenn sämtliche Codes gescannt wurden, durfte man die Halle verlassen – wer hat sich den Mist ausgedacht? Wenn ich nun einfach nicht alle Codes brauche, darf ich diese nicht wegwerfen? Die Logik ist Nonsense, da niemand anderes mit meinen Codes die Halle verlassen kann. Der Prozess ist Mist liebe Orgas, alleine, weil ich die Codes von meinen Geräten abziehen könnte und als bereits gescannt betiteln könnte oder meinen ‚Zweitmonitor‘ nicht beklebt habe, weil ich zu wenige Aufkleber hatte… Wenn ihr so ein Vorgehen durchsetzen wollt, müsst ihr die Teilnehmer über das, was ihr macht aufklären und nicht einfach Aufkleber auf die Hardware kleben lassen (sondern es selbst machen) und dann nach einiger Zeit aufhören ordentlich zu kontrollieren.
Was mich am meisten gestört hat, war die Phrase „Wir haben es an den Projektverantwortlichen weitergeleitet“ oder „Der Projektverantwortliche hat gesagt“. Diese imaginären nicht vor Ort befindlichen organisatorischen Personen, die von 10:00 – 16:00 Uhr in der Woche Kernarbeitszeit haben interessieren den Besucher der Veranstaltung nicht, da diese nicht ansprechbar sind. Ein Projektverantwortlicher muss JEDERZEIT da und ansprechbar oder schnell verfügbar sein, alle anderen können mir als Besucher nämlich nicht helfen und in gewissem Sinne ist jeder einer Fachbereichs verantwortlich für das was seine Kollegen tun – mindestens Rechenschaft.

Fazit

In der Discordapp habe ich gelesen – Zitat: „das beste dieser Veranstaltung ist dieser Chat“Über diesen Kommentar habe ich viel nachdenken müssen, während ich diese Bewertung geschrieben habe. Ich gebe der Veranstaltung 3/5 Sterne (3,3 ist die aktuelle Bewertung bei Facebook – während die Northcon 4,25 hatte, was ich bis einschließlich 2012 unterstützen würde). Warum meine Bewertung (in fett aus meiner Sicht wichtige/schwerwiegende Punkte):
Pro:

  • Infrastruktur (Anfahrt, Netzwerk und Internet, Duschen)
  • Spielediversität
  • Platzangebot
  • Messe- und Showbühne (nicht Eventbühne)
  • Freundlicher und fähiger IT-Support
  • Professionelles und freundliches Personal der Messe Leipzig
  • Nette Aussteller
  • Toleranz bzgl. der Übernachtung in der Halle (es gab ja auch keine Alternative)
  • Es gab eine (große) LAN-Party

Contra:

  • Kein LAN Gefühl
  • Toilettensituation
  • Eventbühne und daraus resultierende unzumutbare Lautstärke
  • Organisation und Kommunikation vor und während der Veranstaltung
  • Kein Junkfood (außer Pizza)
  • Kommunikationsdifferenzen bzgl. Ein- und Auslass mit Hardware
  • Sitzplansoftware unbrauchbar
  • Kein Supportforum oder zeitnahe stattfindender Support
  • Fehlende Flexibilität
  • Keine Möglichkeit Hardware via UPS lieferbar an die Messe (auch nicht gegen Geld, wie es bei anderen LANs möglich ist)
  • Unbrauchbarer Registraturprozess
  • Fehlende Gameserver auf der LAN (BF4, Quake, UT und dergleichen sind einfach zu hosten)
  • Kein Gastserverbereich
  • Keine ruhigen Schlafgelegenheiten

Bereits durch kleine Verbesserungen können auf einfache Art und Weise diverse Dinge verbessert werden und die Veranstaltung hat durchaus das Potential 3.000 Menschen in ihre LAN-Area zu ziehen. Ein Communitymanager, der zugleich den Support im eigenen Forum und eine aufgeräumte Website lösen die Probleme im Voraus. Während der LAN können mit Gameserverhostern Sponsoringverträge abgeschlossen werden um Gameserver verschiedener Art bereitzustellen. Auch die Möglichkeit Gastserver mitzubringen würde die Problematik fehlender Gameserver etwas mildern und die Spielediversität fördern. Die LAN-Area sollte von Event- und anderen Bühnen getrennt werden. Weiter würden zwei bis drei Gamer im Orgateam restliche Probleme aufdecken können.
Wenn einige der oben genannten Probleme beseitigt werden, ist der Preis für die Veranstaltung gerechtfertigt, so wie es in diesem Jahr lief, definitiv nicht!
Ob wir zu der nächsten Dreamhack (DHDE17 – 13.01. – 15.01.2017) fahren ist bisher nicht entschieden – nach Meinungen in der Discordapp geht es vielen anderen auch so.

Sollten Fragen oder Anmerkungen zu meiner Bewertung entstehen dürft ihr euch gerne bei mir melden, ansonsten vielen Dank für das Lesen dieses langen Artikels.